Sportstadt Berlin - Radfahrers Freud, Volleyballers Leid
Sonntagmorgen, Sonnenschein ... Da liegt er nun vor uns, der erste Spieltag der Sommerrunde 2010. Vorfreude! Irgendwie hat man das Gefühl, auch alles richtig gemacht und ordentlich vorbereitet zu haben. Die Kisten sind tatsächlich mit allem gefüllt, was man brauchen kann, ein Spielplan ist sogar schon entworfen - ein Novum - man geht tatsächlich davon aus, dass diesmal auch alle gemeldeten Mannschaften, und nur die, zum Turnier antreten werden. Alles ins Auto gepackt und los! Ein gutes Gefühl!
"Ortsausgang Treptow", seit Jahren keine Grenzkontrolle mehr, freie Fahrt von Ost nach West!? .. Denkste! An einem Schild vorbeigeflogen, nur flüchtig gelesen, nochmal im Kreis und halten zum Studium der verkehrsberuhigenden Informationstafel: Sperrung bla bla ab 8.30 Uhr. Mist. Es ist 8.40 Uhr. Ein schlechteres Gefühl! Wir sind ortskundig, kein Problem, Ausweichen ist angesagt. Versuch Richtung Osten scheint zu zeitaufwändig also ab nach Neukölln, da kommt man ja auch nach Kreuzberg ... Denkste! Nach dem dritten Versuch wird klar: Es kommen gleich Fahrradfahrer vorbeigeflogen, über die (und die und die) Straße gibts nicht. Der angesprochene Ordnungshüter lehnt den Vorschlag, das Auto einfach über die Straße zu schieben, ab, ihm wäre es doch lieber, wenn man dann schnell rüber fahren würde. Wollen seinen Vorschlag annehmen - er ist bockig. Die Zeit verrinnt. Polizeitipp: U-Bahn nehmen oder zu Fuß gehen - toller Tipp mit 2 m³ Gepäck. Gefühl wird langsam mieser.
Nächster Versuch: Dann eben doch Richtung Osten, da gibts ja auch noch eine Brücke über sie Spree, die wir kennen. Ziemlich weiter Umweg aber was solls. An dieser Stelle will der Berichterstatter darauf verzichten, die einzelnen Stationen der Verzweiflung konkreter zu beschreiben, die durch Absperrungen vorgegebene Fahrtroute führte inzwischen Richtung Weißensee und doch ... am Alex, im Herzen der Sportstadt Berlin ... im Rückspiegel eine Unterführung, oben drauf Absperrung für Fahrradroute, unten drunter: eine Straße! Also drehen wir mal schnell über den Grünstreifen, und durch unter dem Fahrradring. Wir sind drin! Und nun wieder ohne Navi und Karte nach Kreuzberg zurück, ohne den Fehler zu machen, aus Versehen wieder aus dem Radfahrerrundkurs heraus zu fahren und nicht wieder hinein zu kommen? Yes! Geschafft. Eine Stunde Fahrt für 12 Kilometer. Leistung!
Die ersten Gäste schon da, nix aufgebaut, es gibt nichtmal Kaffee, aber immerhin, nur noch halbschlechtes Gefühl.
Schwitzen beim Felderaufbau ist ok, das zählt als Erwärmung. Computer nimmt den Drucker nicht an, das zählt als Katastrophe. Spielbeginn wird sich wohl verschieben, erste Berichtsbögen werden handgeschrieben. Musik fehlt noch. Ups, wer hat denn die Batterie von der Fernbedienung heimlich geleert? Irgendwie hat man das Gefühl, die Euphorie vom Tagesbeginn hat sich in der hintersten Ecke verkrochen. Von irgendwo brüllts: Kaffeemaschine kaput, da kommt Wasser raus, wo 's nicht soll! ... Es gibt Momente, da ist einem einfach für ein paar Sekunden alles egal.
Irgendwie darf man dem ganzen Chaos aber auch was Gutes abgewinnen, wer hätte sich sonst überhaupt an den Tag erinnert und auch noch so nen verständnisvollen Artikel geschrieben. Der Rest ist nämlich in kurzen Worten abgehandelt:
Spielbeginn nur 10 Minuten verspätet, Kaffee aus der Ersatzmaschine schon nach der zweiten Spielrunde, Ausdrucke aus dem Computer schon nach der dritten, alle Spiele konnten gespielt werden irgendjemand, an den sich der Verfasser grad nicht erinnert, hat am besten gespielt und durfte den Finalsieg bejubeln. Irgendwie doch ein ganz normaler Tag mit maximalem Volleyballspaß.
